BaWü: Ein Whole System Approach mit Methode

Es gibt immer etwas zu kritisieren. Im November fand in Bad Wildbad die Fortbildung „Umsetzung der Leitperspektive BNE in einem Whole-School-Approach-Prozess“ statt. Meine Kritik: Warum findet diese Fortbildung nicht wöchentlich statt? Und warum ist das keine Pflichtveranstaltung? Ein Kommentar über eine mind blowing Fortbildung zu einem Ansatz, den Schule dringend braucht.

„Das erste, was ich tue, wenn ich [von der Fortbildung] zurück an der Schule bin, ist, dass ich das Schema ausdrucke und in mein Büro aufhänge! Ich kann mir vorstellen, dass wir das künftig als Grundage für all unsere Qualitätsentwicklung nehmen.“

Rückmeldung eines stellvertretenden Schulleiters einer kaufmännischen Schule

Die aktuelle Umsetzung von BNE in Baden-Württemberg lässt unserer Ansicht nach zu wünschen übrig. „2016 wurde die Leitperspektive BNE im Bildungsplan der Sekundarstufen I und II für die allgemein bildenden Schulen in Baden-Württemberg verankert. Mit der Einführung der Leitperspektive […] wurde bewusst der Weg gewählt, BNE als selbstverständliche und damit als allgemeine Bildungsaufgabe aller Lehrkräfte zu verankern“[1]. Doch die Reichweite und vor allem die Wirksamkeit der Leitperspektive ist bis auf wenige Außnahmen gering – oft hängt es nur an einzelnen Kolleg:innen. Daher sehen wir eine große Chance darin, BNE im Referenzrahmen für Schulqualität zu verankern. Zusammen mit Bildungs- und Nachhaltigkeitsakteur:innen, haben wir dies in einem Positionspapier gefordert – wir bleiben weiter dran.

Einige Wochen vor der Fortbildung sollte der WSA auf der Veranstaltung Netzwerkforum BNE 2030 – erkennen.vernetzen.handeln in einem Forum vorgestellt werden. Wegen einer hitzigen Diskussion um fehlende Freiräume kam das Potenzial aber nicht klar rüber. In diesem kritischen Rückblick haben wir die Veranstaltung zusammengefasst. Dementsprechend kritisch ging ich in die Fortbildung, wurde jedoch positiv überrascht.

Der WSA – der Ansatz, den wir ebenfalls fordern – ist ein weiteres Puzzelstück für eine erfolgreiche Verankerung von BNE in BaWü. In dem Projekt „BNE-Modellschulen in der Bildungsregion Heidenheim“, das über 2 Schuljahre lief, wurde ein Konzept des WSA für Baden-Württemberg entwickelt. Unter den 5 teilnehmenden Schulen waren von einer Grundschule bis zu einer beruflichen Schule alle Schularten vertreten. Die Rahmenbedingungen wurden so gewählt, dass der WSA auf alle Regionen und Schulen in BW übertragen werden kann. Die gewählten Methoden und der entwickelte Werkzeugkasten haben das Potenzial Schulentwicklung mit fundiertem Projektmanagement auf das nächste Level zu bringen und zukunftsorientiert auszurichten.

Dem WSA nach Baden-Württembergischem Modell liegt u.a. die Design-Thinking-Methode zu Grunde.

Die dreitägige Fortbildung wurde von Schlüsselpersonen des Heidenheim-Projektes geplant und moderiert. Durch die Erprobung im Modellprojekt war die Veranstaltung untermalt von Authentizität und einer spürbaren Überzeugung von dem Ansatz. Neben der Vorstellung des Ansatzes fand die Fortbildung hauptsächlich im Workshop-Format statt, wobei der Einsatz der zugrundeliegenden Methoden direkt erfahrbar gemacht wurden. Idealerweise nahmen die Teilnehmer:innen im schuleigenen Entwicklungs- bzw. BNE-Team teil und konnten so konkret Schulentwicklungsarbeit machen. Eine Fortbildung kann kaum produktiver sein.

Aber auch die Einzelkämpfer:innen, die ohne Team erschienen sind, konnten dank der Methoden und der wertschätzenden Atmosphäre interessante Produkte erschaffen. So hat sich eine Gruppe mit der Kommunikation von BNE anderen Kolleg:innen gegenüber beschäftigt, z.B. dass BNE nicht als Mehrarbeit empfunden wird. Sie entwickelten ein Well-Being-Konzept, das gleichzeitig Arbeitsentlastung und nachhaltige Entwicklung einführt. All das, während sie sich die Methoden und Inhalte der Fortbildung aneigneten!

Aber für eine nachhaltige Schulentwicklung ist es natürlich sinnvoller, solche Konzepte schulintern mit anderen Beteiligten zu entwickeln. Dementsprechend ist es also wichtig, dass an dieser Veranstlung möglichst große Gruppen teilnehmen können.

Die Rückmeldung der Teilnehmenden war sehr postiv. Trotz meiner anfänglich kritischen Haltung konnte ich schnell von dem Konzept überzeugt werden. Bleibt für mich nur folgende Bitten zu stellen:

  1. Die Materialien online als methodischen Werkzeugkoffer zur Verfügung zu stellen.
    • Zwar gibt es die ausführliche Handreichung[1] zum Projekt mit dem schönen Titel „Schulen ganzheitlich für die Zukunft aufstellen!“. Die Vorlagen und Materialien, die in der Fortbildung eingesetzt wurden, sind dort aber nur zum Teil abgedruckt und müssten aufwendig herausgezogen werden.
  2. Die Fortbildung zu multiplizieren.
    • Damit hiervon möglichst viele Schulen und derern Entwicklungsteams profitieren können, sollte die Veranstaltung an allen Regionalstellen regelmäßig stattfinden. So könnten z.B. die BNE-Koordinator:innen als Multiplikatoren gecoached werden.
  3. Ein Teilnehmer:innenwunsch war eine Anschlussveranstaltung zur Reflexion und Vertiefung.
    • Das würde spätestens dann von Interesse sein, wenn genug Schulen die Fortbildung besucht haben. Damit die Veranstaltung auch nachhaltig Wirkung hat, kann eine Wiederholung und Vertiefung sinnvoll sein.

Chapeau! Diese Perle von Konzept verdient, dass sie anerkannt und verbreitet wird. In meinem Koffer voller positiver Beispiele von BNE ist sie drin. Ein Whole System Approach mit Methode made in The Länd!

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[1] Handreichung „BNE-Modellschulen: Schulen ganzheitlich für die Zukunft aufstellen! Handreichung zum Projekt „Strukturelle Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Whole System Approach in der Region Heidenheim“ https://zsl-bw.de/,Len/9103109

Der WSA schematisch nach BW-Modell