Exkursion zum Klimastreik? Aber richtig!

Darauf könnt ihr euch beziehen

So ziemlich alles, was mit der Klimakrise zu tun hat, kann in irgendeiner Form auch in den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen – den „SDGs“ – wiedergefunden werden: https://17ziele.de/ . Die 17 Ziele sind die inhaltliche Agenda der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), die in allen Bundesländern – freilich unterschiedlich verpflichtend – curricular verankert ist. Sowohl das Bundesbildungsministerium als auch die Kultusminister-Konferenz haben sich dazu verpflichtet, BNE zu implementieren. Am prägnantesten wurde dies im Mai 2021 in der gut 3-seitigen Berliner Erklärung für BNE zusammengefasst. Diese eignet sich aufgrund ihrer Kürze hervorragend als Argumentationsgrundlage zögerlichen Schulleitungen oder Eltern gegenüber. Das Fazit der Erklärung lautet:

„Transformatives Lernen für Mensch und Erde ist überlebensnotwendig für uns und für künftige Generationen. Die Zeit zu lernen und für unseren Planeten zu handeln ist jetzt.“

Die Teilnahme an einem Klimastreik/einer Klima-Demo ist politisches Handeln und aktives Sich-Einsetzen für Klimagerechtigkeit, und damit hoch transformativ.

Warum Schulstreiks fürs Klima legitim sind: Tragfähige Argumente liefert der Jurist Dr. Felix Ekhardt in seinem Gutachten aus 2019 „Verfassungsschranken für Sanktionen bei schulischer Abwesenheit“ https://www.klimabuendnis-hamm.de/wp/wp-content/uploads/fffowigekardt.pdf

Klare Kante gegen Überwältigung

Wenn ihr mit einer Klasse eine Exkursion zu einer Klima-Demo plant, ist es wichtig, gegenüber Schulleitung, Eltern und vor allem auch euren Schüler:innen gegenüber deutlich zu kommunizieren, dass es einen Arbeitsauftrag gibt, der einen klaren Bezug zu einem bestimmten Lehrplaninhalt des jeweiligen Faches hat. Um es ganz deutlich zu sagen: Als klima-engagierte Lehrer:innen sind wir hier in ganz besonderer Weise dem Beutelsbacher Konsens  und der Frankfurter Erklärung verpflichtet, und sollten dies deutlich und für alle nachvollziehbar machen, im Sinne der uns anvertrauten Schüler:innen, aber auch, um uns selbst zu schützen. Eine politische Veranstaltung ist in diesem Sinne ein außerschulischer Lernort. Als solchen betrachten wir ihn und reflektieren das Erlebte im geschützten Raum unseres Unterrichts.

Konkret: Fächerbezüge

Vorab: Für eine fachgebundene Exkursion zum Klimastreik gibt es jede Menge didaktischer Anknüpfungspunkte und handlungsorientierter Aufgabenstellungen. Ein paar davon haben wir hier für euch zusammengestellt. Wenn ihr darüber hinaus – gerne auch zu weiteren Fächern – selber noch Impulse beisteuern möchtet, freuen wir uns über eine Mail an  !
Schickt uns an diese Adresse auch gerne Fotos, Foto-Collagen und/oder Texte von euren Exkursionen zum Klimastreik (bitte urheber- und datenschutzrechtliche Seite abklären) – wir veröffentlichen sie auf unserer Website!

POLITIK/GEMEINSCHAFTSKUNDE
  • Mit meiner 5b habe ich den Klimastreik im Rahmen des Lehrplans zum vorgeschriebenen Thema „Politische Teilhabe von Kindern und Jugendlichen“ besucht (LP Politik NRW)
  • Auch mit Berufschulklassen habe ich im Rahmen des Gemeinschaftskundeunterrichts freitägliche Klima-Demos besucht und ins Tagebuch eingetragen: „Lerngang: Teilnahme an einer Demonstration“. Dieses „Doing by Learning“ hat bei den Schüler:innen mehr Denkanstöße, Fragen und Antworten ergeben als jede normale ‚Schulstunde‘. Schulversicherungsrechtlich ist dabei wichtig, dass die Lehrperson dem Schulsekretariat das Verlassen des Schulhauses meldet und die Lerngruppe beisammen bleibt. 
  • Streik als Mittel der politischen Auseinandersetzung: Wie unterscheiden sich der „klassische“ Streik vom Klimastreik?
DEUTSCH
  • Eine eigene Demo-Rede schreiben und praktisch erproben
  • Demo-Reden analysieren
  • (Presse)Bericht über den Klimastreik verfassen und dazu ggf. Interviews mit Veranstalter*innen, Redner:innen und/oder Demonstrierenden führen (das kann im Unterricht sehr gut vor- und nachbereitet werden). Im Sinne der BNE-Dimension „Handeln“ wird der Presseartikel dann auf der Schulhomepage und/oder in der Lokalzeitung veröffentlicht. Tipp: nehmt dazu am besten schon im Vorfeld Kontakt zur Lokal-Redaktion auf. Die meisten Lokal-Zeitungen nehmen Beiträge von Schüler:innen bereitwillig auf bzw. haben z.T. auch „Extras“, in denen explizit Jugendliche zu Wort kommen.
GESCHICHTE
  • Geschichte sozialer Bewegungen in Vergangenheit und Gegenwart/Geschichte der Umweltbewegung – Einordnung von Fridays for Future und der Protestform des Klimastreiks
  • Geschichte der Industrialisierung: Vom Beginn des fossilen Zeitalters bis heute – in welcher Weise werden Kohle, Gas und Öl auf dem Klimastreik thematisiert?
  • Blick ins Schulbuch: In welcher Weise wird die Klimakrise unter dem Aspekt „Ökologische Folgen der Industrialisierung“ thematisiert? Passiert dies, gemessen an der tatsächlichen Bedrohung, in angemessener Art und Weise?
  • Leben im Anthropozän – welche der menschengemachten geologischen Veränderungen werden beim Klimastreik aufgegriffen (auf Schildern/Transparenten, Demosprüchen, Reden)?
ETHIK
  • Verantwortungsethik: Was bedeutet „Verantwortung“ gegenüber heutigen und künftigen Generationen? Wird die aktuelle Klimapolitik der Budnesregierung dem verantwortungsethischen Imperativ nach Hans Jonas gerecht? Inwiefern/auf welche Weise wird dieses Dilemma auf dem Klimastreik in Reden oder auf Schildern oder Tranparenten thematisiert?
  • Klimaethik: Formulieren Sie (z.B. anhand von Klima-Demo-Slogans) praktische Syllogismen zur Begründung von Klimaschutz. Verwenden Sie dabei auch das Toulmin-Schema.
RELIGION
  • Wie wird auf dem Klimastreik für die Bewahrung der Schöpfung eingetreten? 
  •  Es gibt auch „Christians for Future“ und „Churches for Future“. Recherchiert zu diesen beiden Initiativen und schaut, ob ihr Vertreter:innen auf dem Klimastreik in eurer Stadt trefft. Kontaktiert sie ggf. bereits im Vorfeld und führt ein Interview mit ihnen. Was motiviert sie als Christ:innen, die For-Future-Bewegung zu unterstützen?
  • Veranstaltet einen Schul-Gottesdienst, in dem ihr die Klimakrise und eure Erfahrungen auf dem Klimastreik zum Thema macht und Gemeindemitglieder der „Christians/Churches for Future“ einladet. 
NATURWISSENSCHAFTEN
  • Betrachtet ein Schema zu den planetaren Grenzen, z.B. hier https://blogs.nabu.de/wenn-die-welt-zu-ende-geht/ . Wo und wie wirken psychikalische, biologische, chemische, geologische Gesetze? Welche Bedeutung haben „Kipppunkte“ innerhalb des Systems der planetaren Grenzen? In welcher Weise werden die planetaren Grenzen auf dem Klimastreik auf Demo-Schildern oder Reden zum Thema gemacht? 
  • Unterzieht die Aussagen, die ihr auf dem Streik eingefangen habt, einem naturwissenschaftlichen Faktencheck. Rund um die Klimakrise empfiehlt sich z.B. die Seite des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) https://www.pik-potsdam.de/de oder auch der Scientists for Future https://de.scientists4future.org/
  • Wie politisch dürfen oder müssen Wissenschaftler:innen sein? Informiert euch über die „Scientist Rebellion“ und veranstaltet im Nachgang zum Klimastreik eine Podiumsdiskussion an eurer Schule. Ladet Wissenschaftler:innen, Lehrer:innen, Eltern und weitere interessierte Gäste ein. 
FREMDSPRACHEN
  • Das „Office for Climate Education“ (OCE) der Vereinten Nationen mit Sitz in Paris freut sich über Best-Practice-Beiträge im Zusammenhang mit Klimabildung – das können erprobte Unterrichtsmaterialien sein, aber auch etwa ein Impuls zu einer gelungenen, pädagogisch wertvollen Teilnahme an einem Klima-Streik oder einer Klima-Demo, am besten mit Fotos und mit von Schüler:innen verfassten Texten, z.B. auf Englisch, Französisch oder Spanisch, aber auch in anderen Sprachen. Das OCE veröffentlicht die Beiträge auf seiner Seite und stellt sie so Lehrer:innen auf der ganzen Welt zur Verfügung: https://www.oce.global/en/get-involved/participez
BILDENDE KUNST/MUSIK/THEATER
  • Demo-Schilder analysieren und interpretieren
  • Demo-Schilder gestalten, ihre Wirkung erproben und reflektieren
  • Performances gestalten, aufführen, reflektieren